Dr.in

Gabriele Kössler

Dozentin und Lektorin

Interview

Schon ab der Mittelschule wollte Gabriele Kössler Lektorin werden, den ganzen Tag lesen zu können, war ihre Idealvorstellung von Arbeit.

Kössler hat gelernt, von Anfang an selbstständig zu sein und auf eigenen Beinen zu stehen. Ihr Vater verstarb als sie 17 war, die Mutter arbeitete als Sekretärin in einer Rechtsanwaltskanzlei und ihr Bruder wählte den beruflichen Weg in die Energieversorgungswirtschaft. “Die Selbstständigkeit meiner Mutter hat mich von Anfang an bleibend geprägt”, ist sie überzeugt.

Ihre Lateinlehrerin hinterließ bleibenden Eindruck bei Gabriele, denn diese war nur zehn Jahre älter als ihre Schülerinnen. “Sie hat uns den essenziellen Funken Selbst- und Eigenverantwortung übertragen. Latein, Geschichte und Geografie waren meine Lieblingsfächer. Das Lernen fiel mir leicht, weil ich ein fotografisches Gedächtnis habe.

Die Freude am Lernen blieb mir und so hatte ich eine außerordentlich gute Schul- und Studienzeit.”  Kössler studierte Staatswissenschaften mit besonderem Interesse an Betriebs-, Verfassungs- und Verwaltungsrecht und erkannte damals, wie wichtig die Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Verantwortung ist.

Bereits während des Doktoratsstudiums arbeitete Kössler am IMAS Institut. Sie war Mitglied der ersten Generation, die außerhalb Deutschlands in der Workshop-Moderationstechnik ausgebildet wurde. Aktuell ist sie Lektorin an der JKU im Lehrgang für Leadership und Management für Frauen, unterrichtet an der FH für Gesundheitsberufe und arbeitet als Dozentin für Personalmanagement an der KMU-Akademie in Kooperation mit der Middlesex University London.

Ihr beruflicher Weg führte sie noch über Stationen im Bankwesen und in der Personalberatung. Seit den 1990er Jahren ist sie selbständige Unternehmensberaterin, teilweise als “one woman show”, zum Teil in Kooperation mit namhaften Beratungsinstituten wie der Ramsauer & Stürmer Consulting. Ab 2001 baute Kössler den Bereich Mentoring in OÖ auf, die damalige Landtagspräsidentin Angela Orthner beauftragte sie im Jahr der Chancengleichheit, etwas für bereits erfolgreiche Frauen zu entwickeln.

Gemeinsam mit dem Verein “Frauen im Trend” führte sie das Cross-Mentoring-Programm ein. Jährlich nominieren renommierte oberösterreichische Unternehmen, die sich ihrer weiblichen Nachwuchspotenziale bewusst sind, im Rahmen einer Mentoring-Plattform eine Mentée und einen Mentor oder eine Mentorin. Die Besonderheit ist das sorgsame Matching über Unternehmensgrenzen hinweg – Mentée und MentorIn bearbeiten über ein Dreivierteljahr gemeinsam an den Zielen und Themen der Mentées. 2016 übergab Kössler dieses Programm an Mag. Doris Schulz.

Gabriele Kössler ist überzeugt, dass der Wille zum Mitreden und Mitbestimmen durch Mentoring-Programme besonders gestärkt wird. Die Selbstwertstärkung und der Wille zur Selbstentwicklung und Karriere sind vorrangige Themen im Mentoring. “Hier kann vieles entwickelt werden;  von den positiven Erfahrungen der Mentoren lernt man, dass noch viel mehr möglich ist.”

Kössler’s besonderes Interesse gilt der Wirtschaftskammer. Da war sie als ehrenamtliche Fachgruppenobfrau für UBIT (Unternehmensberatung und Informationstechnologie) tätig. Zudem baute sie in der Wirtschaftskammer OÖ das Mentoring für Ein-Personen-Unternehmen auf. Aktiv betreut sie Mentoring-Programme im Netzwerk von Soroptimist International, im Akademikerbund und im überparteilichen Verband der Akademikerinnen Österreichs.

Beim Blick auf die Zukunft der Frau beobachtet Kössler zwei Trends: Zum einen gibt es eine kleine Gruppe von gut ausgebildeten Frauen, die hochmotiviert große Verantwortung übernehmen. Andererseits befinden sich viele Frauen auf dem Rückzug in ein neues Biedermeier und beschwören Haus und Herd. “Im Schulsystem muss dringend umgedacht werden, vor allem in Richtung Technologie. Das Technikverständnis der Mädchen muss verbessert und die Motivation, Initiativen zu ergreifen und Begabungen zu leben erhöht werden.“ Sie ermutigt, etwas aus dem Leben zu machen, das einem gegeben ist. Das sei unsere Verantwortung!

 

Name
Familie
Lieblingsort
Lebensmotto
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre