DR.IN

Gesine Maria „Gexi“ Tostmann

Ethnologin, Unternehmerin, Initiatorin Botschafter der Tracht, Vorstandsbeirätin Volkskultur Niederösterreich

Interview

Die authentische und doch innovative Verbindung zwischen Tracht, Tradition und junger Mode ist untrennbar mit dem Namen Gexi Tostmann verbunden. Die Volkskundlerin verfasste ihre Dissertation zum Thema „Wechselwirkung von Tracht und Mode in Österreich“. Gexi Tostmann ist eine Ausnahme in einer Branche, die immer mehr zur Verkitschung neigt.

1967 stieg Gexi Tostmann ins elterliche Trachtenunternehmen mit dem Stammhaus in Seewalchen am Attersee und einer Niederlassung in Wien ein. Im Stammhaus, in dem sich Produktion und Verkauf befinden, haben ihre Eltern im Jahr 1949 den Grundstein für die Firma Tostmann gelegt. Mittlerweile hat Gexi das Unternehmen an ihre Tochter Anna übergeben, die den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann weiterführt: „Es freut mich, dass die Jungen meine Firmenphilosophie weiterentwickeln.“

Die Kunden, die aus allen Gesellschaftsschichten kommen, achten auf Werte wie Langlebigkeit und Regionalität. Gexi Tostmann legte viel Wert darauf, unverwechselbar zu sein und nicht unendlich zu wachsen.  

Mutter und Tochter haben gemeinsam Auszeichnungen für den traditionellen beziehungsweise den avantgardistischen Zugang zur Tracht ins Leben gerufen, wie den Konrad-Mauthner-Preis und den Emilie-Flöge-Preis. Seit 2006 werden alle zwei Jahre „Botschafter der Tracht“ ernannt und mit diesen Preisen ausgezeichnet. Im Jahr 2010 erhielt zum Beispiel die oberösterreichische Goldhaubenobfrau Martina Pühringer den Konrad-Mautner-Preis und das Designer-Ehepaar Vivienne Westwood & Andreas Kronthaler den Emilie-Flöge-Preis.

Für ihr Bemühen um die Pflege und Weiterentwicklung der Tracht erhielt Gexi Tostmann neben mehreren Kulturauszeichnungen unter anderem gemeinsam mit ihrer Mutter Marlen Tostmann die Goldene Verdienstmedaille des Landes OÖ.

Werte wie das Erhalten und Weiterentwickeln konnte Gexi auch an ihre Tochter Anna weitergeben, wie das Beispiel des „Büchsenmeistergütls“ aus dem 16. Jahrhundert im Zentrum von Seewalchen zeigt. Anna konnte den geplanten Abbruch verhindern, das Haus revitalisieren und ebenerdig das Café Bandlkramerey einrichten, wo es hausgemachte Kuchen und Mittagsgerichte gibt. Die Produkte sind zu 99 Prozent biologisch, großteils aus der Region und nicht nur für Vegetarier und Veganer empfehlenswert.

Gexi Tostmann übernahm von ihrer Mutter eine Sammlung von circa 600 Hüten und Hauben und sammelte weiter. Heute umfasst diese Sammlung an die 1.000 Stück und wird durch besonders ausgewählte Schaustücke im ersten Stock der Bandlkramerey der Öffentlichkeit präsentiert. Weiters erzählt das – in Entstehung befindliche – Museum die Geschichte der Firma Tostmann und die Entwicklung der Textilien und Bekleidung.

„Alle reden von Stärken, aber man sollte auch seine Schwächen bejahen und damit leben. Erkennen wir doch, dass wir nicht alles können müssen!“, so Tostmann. Sie hört von Frauen in ihrem Umfeld häufig, dass diese auf vielen Ebenen ein schlechtes Gewissen haben: als Mutter, als Ehefrau und im Beruf. „Nicht jede Frau kann in allen Bereichen perfekt sein.“ Doch unabhängig davon, wofür sich eine Frau entscheidet, ist jede Entscheidung zu respektieren!

Für die Zukunft der Menschen wünscht sich Gexi Tostmann, dass das „bedingungslose Grundeinkommen für alle“ Realität wird. 

Gexi Tostmann, die von ihrer Tochter liebevoll als leicht chaotisch beschrieben wird, verfügt über eine äußerst positive Grundhaltung. Diese Haltung gibt ihr die nötige Kraft, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen. 

Name
Familie
Lieblingsort
Lebensmotto
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre