Univ.-Prof.in Dr.in M.A.

Anna Minta

Universitätsprofessorin für Geschichte und Theorie der Architektur an der Katholischen Privat-Universität Linz

Geboren in Düsseldorf, hat Anna Minta an der Freien Universität Berlin Kunstgeschichte, Publizistik und Neuere Geschichte studiert. Promoviert wurde sie in Kiel, habilitiert hat sie in Bern im Fach Kunstgeschichte mit dem Thema „Politische und sakrale Repräsentationsarchitektur in Washinton D.C. `The Battle of Styles`im 19. und 20. Jahrhundert.“ Danach war sie erfolgreich als SNF-Forschungsprofessorin mit dem Thema Heilige Räume in der Moderne, Transformationen und architektonische Manifestationen an der Universität Zürich.

Seit 2016 ist sie an der Katholischen Privat-Universität Linz (KU Linz) tätig, sechs Jahre lang übte sie das Amt der Dekanin der Fakultät für Philosophie und Kunstwissenschaft aus. Sie kann eine Fülle von Forschungsstipendien, Projekten und Veröffentlichungen vorweisen. Über das aktuelle Projekt „Donna Stage“ wird im Interview noch zu lesen sein. Sie ist Vorstandsmitglied und Obmann-Stellvertreterin im architekturforum OÖ, Vorstandsmitglied im Diözesan-Kunstverein und Redaktionsmitglied in der Zeitschrift „kunst und kirche“.

Sie ist bestens vernetzt in der Universitätslandschaft und hat sich in den letzten zehn Jahren ein inspirierendes und in unterschiedlichen Projekten fruchtbar werdendes Netzwerk mit Linzer Institutionen aufgebaut – vom afo über die Museen und Kultureinrichtungen bis zu den diözesanen Institutionen. Sie hat wesentlich beigetragen zur Profilierung der neuen Fakultät für Philosophie und Kunstwissenschaft an der KU Linz. Zitat aus einem Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten: „Kunst in der Kirche kann inspirieren, aber auch wütend machen.“

Anna Minta ist Witwe und hat zwei Kinder, ein Zwillingspärchen. Eine Kollegin von ihr sagt: „Sie ist eine ganz große Netzwerkerin!“

Foto: Volker Weihbold

Interview

Frage MUTmacherinnen: Wozu haben Sie Mut gebraucht?

Aus der Bequemlichkeit vertrauter Situationen auszusteigen, sich immer wieder neuen Positionen und neuen Aufgaben zu stellen: neue Universitäten, neue Kolleg:innen, neue Städte, neue Beziehungen: „aufbrechen zu neuen Herausforderungen!“

Auch dazu, Gegenpositionen einzunehmen, sowohl wissenschaftlich als auch privat.

Und es braucht auch Mut, Kinder zu haben und mit ihnen neue Wege zu gehen.

MUT haben kann man/frau nicht (immer) alleine; wirkungsvoll wird frau mit Unterstützung, daher fordere ich immer auf, Netzwerke der Inspiration und Unterstützung zu bilden: Es gilt der feministische Aufruf zu Solidarität und Vernetzung: Bildet Banden!

Womit machen Sie Mut?

Wichtig für mich – an der Universität – ist, den wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden, kritisches Denken zu vermitteln, mitzuhelfen, nicht nur Qualität, sondern auch Leidenschaft und Engagement zu entwickeln. Ich bin eine Netzwerkerin, damit und weil andere davon viel profitieren: Studierende und junge Wissenschafter:innen, die ich gern bei Stipendien, Projekten und ihren Aktivitäten unterstütze.

Über die Universität hinausgehend ermutige ich Frauen*, sich zu organisieren. Frauen müssen lernen, ihren Weg nicht allein zu gehen, sondern einander gegenseitig zu unterstützen. Ich kann nur wiederholen: Bildet Banden!

 Wichtig ist mir …

… meine Studenten und Studentinnen für gesellschaftliche Positionen zu sensibilisieren – auch durch Hilfe zur Resilienz,

… feministische Sprachlosigkeit abzulegen,

… mehr Schutzprogramme gegen Gewalt an Frauen zu fordern

… mit den feministischen Positionen vor allem auch bei den Männern anzusetzen,

… ebenso die Vermittlung von Wissenschaft in der Gesellschaft – auch durch kritische Forschung.

Es ist Ihnen wichtig, Einfluss zu nehmen?

Einfluss auf das gesellschaftliche Bewusstsein: auf jeden Fall: im Sinne von Meinungsbildungsprozesse zu unterstützen. Als Kunst- und Architekturhistorikerin ist es mir zum Beispiel wichtig, den Einfluss von Staat und Kirche – politisch und soziologisch – über ihre Baupräsenz bewusst zu machen. Auch in unserer gebauten Umwelt, den Räumen, Zwischenräumen und Bildprogrammen müssen wir insbesondere die Setzungen patriarchaler Strukturen, ihre geschlechterspezifischen Rollenzuschreibungen und Wertsysteme kritisch hinterfragen.

Mit einem kritischen Blick auf die Architektur sollten wir immer fragen: Wie bedingen Architekturen, Räume und Plätze unser Handeln? Was ist offen, was ist eingrenzend? Was ist exklusiv, lädt zur Partizipation ein? Wie gelingt es, Vorstellungen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu vermitteln, Räume entsprechend zu gestalten?

Ihre besondere Beziehung zum Mariendom ….

Der Mariendom ist ein herausragendes Baudenkmal in Linz und schon deswegen besteht ein grundlegendes architekturhistorisches Interesse. Mit meiner Kollegin, der Theologin Martina Resch, habe ich zudem eine Reihe feministischer Befragungen und Interventionen entwickelt und durchgeführt. Es begann 2019/20 mit einem interdisziplinärem Studierendenprojekt zu den „Frauenbildnissen im Mariendom“: in den Bildern, in den Glasfenstern: wie, wie viel bzw. wie wenig wurden Frauen dargestellt? Welche Rollen und Aufgaben wurden ihnen in diesen Bildern zugewiesen. Darauf aufbauend entwickelten wir die Veranstaltungsreihe „DonnaStage“, die seit dem Jubiläumsjahr 2024 Kunstprojekte im Mariendom organisierte und zu feministischen Diskussionsabenden im Domcenter einlud. Ausgangspunkt waren die historischen Bildnisse mit ihrem einengenden Blick auf Frauenleben und Frauenrollen, die wir mit zeitgenössischen Positionen diskursiv und künstlerisch konfrontierten. Das brauchte auch immer wieder Mut, weil es auch Widerstand gab.

Im Moment bereiten wir zwei Veranstaltungen im Domcenter zum Thema „Heilige Maria – Mutter und mehr. Das emanzipatorische Potential Mariens in den Religionen“ (13.10.26) und „Feminismus und Mutterschaft – (un)vereinbar?“ (29.10.26) vor.

Nachsatz: In Anna Minta habe ich als Interviewerin eine mutige Frau mit klaren Positionen kennengelernt, die leidenschaftlich für eine verpflichtende Frauenquote, für Gendergerechtigkeit und kritisches Denken eintritt. Sie ist mit Begeisterung Linzerin geworden und schätzt hier die Lebensqualität, die Offenheit und die Möglichkeit der Kooperationen.

Das Interview wurde geführt von Gabriele Kössler am 18. September 2026

25.9.2026/HE

 

Name
Univ.-Prof.in Dr.in phil. Anna Minta M.A.
Familie
Witwe
Lieblingsort
Lebensmotto
Wenn man Gedanken verändert, verändert man die Welt.
Mein Ausgleich
Bergwandern, Natur, Reisen, Gespräche mit guten Freunden.
Ich in drei Worten
Bergwandern, Natur, Reisen, Gespräche mit guten Freunden.
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
Ich würde diesen Tag nutzen, um ein starkes Signal für Chancengleichheit zu setzen in Bildung und Beruf. Jede Frau und jedes Mädchen soll wissen: Deine Stimme zählt, verfolge konsequent deine Ziele, deine Träume sind umsetzbar.