CECILIA BALDIVIESO DE WITZANY

Honorarkonsul der Plurinationalen Staates Bolivien

„Mit Hirn, Herz und Begeisterung“ – mit diesem Anspruch an sich selbst, trat Cecilia Baldivieso de Witzany, als rangältestes Mitglied, 2013 das Amt als Doyenne des Diplomatischen Corps Oberösterreich an. Damit steht sie sämtlichen Honorarkonsulen des Landes Oberösterreich vor, ein Amt, das Cecilia Baldivieso de Witzany für den Plurinationalen Staat Bolivien bereits seit 1989 ausübt. Die Tochter wohlhabender, bolivianischer Eltern kam im Jahr 1984 nach Österreich.

Über 10.000 km von ihrem Geburtsland entfernt, hat sie hier eine zweite Heimat gefunden. Ihre Liebe zu Bolivien lebt die Südamerikanerin, indem sie versucht andere Menschen für ihr Land, ihre Muttersprache und ihre Kultur zu begeistern. Darüber hinaus unterstützt die Mutter einer erwachsenen Tochter seit 1996 das Projekt Alalay, das Straßenkindern aus Bolivien eine zweite Chance gibt.

Interview

Sie sind Honorarkonsulin der Staates Bolivien. Welche Aufgaben sind damit verbunden?

Meine wichtigste Aufgabe als Honorarkonsulin des Plurinationalen Staates Bolivien ist es, zwei Länder die sich sowohl in ihrer Kultur, ihrer Sprache, aber auch in ihrer Mentalität unterscheiden,  zu verbinden. Dies bedeutet, die wirtschaftlichen , kulturellen und sozialen Beziehungen zu fördern.
Ich helfe meinen Landsleuten bei Fragen zu den österreichischen Gesetzen, bei allgemeinen Themen oder bei Problemen. Ich habe weiters die Befugnis Vollmachten zu erstellen. Aufgrund der Vielseitigkeit Boliviens und der Tatsache, dass es ein magisches Land ist, versuche ich im Zuge von Reisen mein Land herzuzeigen.

 

Was bedeuten Ihnen Ihre bolivianischen Wurzeln? Und wie leben Sie Ihre südamerikanische Seite aus?

Es ist meine Essenz. Bolivien ist dieses EINE Land für mich, in dem ich meine liebevolle Kindheit verbracht habe. Es ist ein Ort der mich sehr geprägt hat und an dem ich immer gerne zurückkehre.
Ich habe meinen Kern nicht verändert. Spontanität und Lebensfreude sind immer noch Teil von mir.

 

Sie haben eine – bereits erwachsene – Tochter. Wie wichtig war es Ihnen, auch ihr ihre bolivianischen Wurzeln zu vermitteln?

Sehr, sehr wichtig, ich habe Isabella gelehrt, ohne Mauern im Kopf aufzuwachsen. Ihr immer mit Stolz gesagt, dass sie halbe Bolivianerin ist, mit all unseren Werten. Aber auch, dass sie privilegiert ist, in einem Land wie Österreich auf die Welt gekommen zu sein.

 

Sie sind vor über 35 Jahren nach Österreich gekommen. Was macht, Ihrer Meinung und Erfahrung nach, die österreichische Kultur aus?

Österreich bedeutet für mich Musik, Berge und Schnee aber auch Präzision, Tradition und ein großes Solidaritätsgefühl.

 

Wenn Sie die Stellung von Frauen in Ihrem Heimatland Bolivien mit jener in Österreich vergleichen, welche Unterschiede gibt es?

Obwohl bei der Bildung im Allgemeinen noch ein großer Entwicklungsbedarf herrscht, kann ich voller Stolz sagen, dass Bolivien in der letzten Zeit einen großen Sprung in der Gleichberechtigung der Frau geschaffen hat. Wir haben auch eine Frau als Präsidentin, die momentan in dieser entscheidenden Situation das Land führt.

In Bolivien gibt es große soziale Unterschiede in der Bevölkerung, sowohl ethnischer Herkunft als auch in Bezug auf die geografischer Hinsicht, in welcher Region man zu Welt kommt. Geld spielt leider auch eine wichtige Rolle und deshalb ist Frau nicht gleich Frau und nicht alle haben dieselben Möglichkeiten in Bezug auf Bildung. In Österreich können alle zur Schule gehen und studieren, wenn sie wollen.

 

Es ist Ihnen ein Anliegen die Menschen für Ihre Muttersprache Spanisch zu begeistern. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Unsere Welt ist wunderschön groß und vielfältig. Jede weitere Sprache zu beherrschen, öffnet Türen und verbindet Menschen. Durch eine neue Sprache erhält man Einblicke in den Alltag anderer Menschen in ihre Traditionen und Denkweise.

 

Mut spielt in Ihrem Leben eine große Rolle: Seit vielen Jahren unterstützen Sie das Projekt Alalay, das sich für Straßenkinder in Bolivien einsetzt. Was bedeutet das Projekt für Sie?

Das Projekt Alalay ist eine Berufung. Das Leben ist und war immer gut zu mir und ich habe die Verantwortung etwas zurückzugeben. Alalay ist auch eine Quelle der Freude. Uud wenn ich das Leuchten in den Augen und den Lebenserfolg eines ehemaligen Straßenkindes sehe, weiß ich immer wieder warum ich weiter unterstützen will.
Alalay bedeutet auch die Liebe, Energie und das Mitgefühl vieler Österreicher*innen. Unter ihnen die Pateneltern und die vielen freiwilligen Spender. Unser Verein besteht aus vielen Idealisten, ohne denen Alalay nicht funktionieren würde.

 

Wie kann man Alalay unterstützen?

Die Instandhaltung unserer Kinderdörfer ist von immenser Wichtigkeit, da diese nicht nur ein Dach, ein Bett und Essen für unsere Kinder bedeuten. Vor allem bieten sie die Möglichkeit ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, sich zu entwickeln und sich ihren Interessen und Stärken entsprechend (aus-) zu bilden, um so den Grundstein für ein stabiles, selbstständiges Leben zu setzen.

Dies ist nur dank der professionellen Begleitung durch Pädagog*innen, Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen möglich, welche nicht nur mit den Kindern arbeiten, sondern bei Möglichkeit auch mit ihren Familien, um so im besten Fall eine Rückkehr in diese zu ermöglichen. Patenschaften sind eine weitere mögliche Form der Hilfe, welche die Kinder ermutigen sich geliebt und wichtig zu fühlen. Sie geben so einen Impuls in eine hoffnungsvolle Zukunft zu blicken.

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.alalay.at.
Jede Spende hilft: Allgemeine Sparkasse
BIC: ASPKATZLXXX
IBAN: AT83 2032 0000 0006 6010
Kontoinhaber: ALALAY Austria – Projekt für Straßenkinder in Bolivien

Name
Cecilia Baldivieso de Witzany
Familie
verheiratet, Mutter von einer Tochter
Lieblingsort
Lebensmotto
Dem Leben mit Dankbarkeit alles Gute zurückzugeben und das weniger Gute als eine Lektion zu betrachten.
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
Ich würde mich für die Rechte der Frauen und die Gleichberechtigung einer jeden einzelnen Frau, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Alter einsetzen. Wichtige Themen sind dabei für mich die Sichtbarmachung von Gewalt an Frauen, auch in Zusammenhang mit höheren Strafen. Zudem sollte der immer noch hohe Unterschied von Einkommen und beruflichen Chancen zwischen Männern und Frauen verstärkt problematisiert werden. Dies schlägt für mich auch eine Brücke zu mehr Fokus auf Unterstützung für Familien insgesamt, welche die Basis unserer Gesellschaft darstellen.