Frage MUTmacherinnen: Frau Hufnagl, was treibt Sie persönlich an?
Mich treibt der Wunsch an, Räume zu schaffen, in denen Frauen gesehen werden, sich entfalten können und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich ist. Ich habe in meinem Leben immer wieder erlebt, wie viel möglich wird, wenn Menschen einander stärken, statt sich zu vergleichen. Genau dafür stehe ich, beruflich wie ehrenamtlich.
Frage MUTmacherinnen: Sie sind Präsidentin von „Frauen im Trend / MUTmacherinnen“. Was ist Ihre Vision für den Verein?
Der Verein besteht seit über 20 Jahren und mein Ziel ist es, diese starke Basis weiterzuentwickeln. „Frauen im Trend“ soll eine lebendige, zeitgemäße Plattform bleiben, die Austausch, Vernetzung und persönliche Weiterentwicklung ermöglicht. Wir wollen zeigen, wie essenziell Zusammenhalt, Neugier und gemeinsames Vorangehen sind.
Frage MUTmacherinnen: Was zeichnet Ihre Arbeit im Verein besonders aus?
Vereinsarbeit ist für mich weit mehr als ein Ehrenamt. Sie ist eine gesellschaftliche Kraft. Es geht darum, Netzwerke zu schaffen, Synergien zu nutzen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir den Verein durch erfolgreiche Veranstaltungen, neue Kooperationen und starke Partnerschaften weiter sichtbar machen konnten, auch für viele junge Frauen. Mein Fokus liegt darauf, Frauen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen und ihre Leistungen in den Mittelpunkt zu stellen.
Frage MUTmacherinnen: Neben Ihrem Beruf und der Vereinstätigkeit sind Sie auch psychosozial tätig. Sie sind Psychosoziale Beraterin, haben das Postgraduate Studium Bio- und Medizin Ethik an der JKU absolviert und haben den Verein Alles stabil? gegründet.
Ja, das Reflektieren und das Hinterfragen der eigenen Haltung sind für mich zentrale Elemente persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung. In meinen Ausbildungen konnte ich diese Haltung vertiefen und schärfen. Sie prägt bis heute meine Arbeit, egal ob in der Beratung, in der Vereinsarbeit oder im Medien- und Eventbereich.
#allesstabil ist während der Corona-Zeit entstanden. Der Podcast gibt Jugendlichen eine Stimme. Zuhören, ernst nehmen und in Beziehung bleiben, das ist heute wichtiger denn je. Viele Kinder, Jugendliche und Familien hatten plötzlich keine Anlaufstellen mehr, während der Leidensdruck enorm gestiegen ist.
Frage MUTmacherinnen: Im März 2025 erschien Ihr Buch „Wenn das Leben stolpert #glaubandich“. Worum geht es darin?
Gemeinsam mit meinen Vorstandskolleginnen haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie Menschen mit Krisen umgehen. In unserem Buch, das ich dann mit Doris Schulz umgesetzt und geschrieben habe, erzählen Frauen von Verlust, finanziellen Rückschlägen, Krankheit oder gescheiterten Beziehungen und davon, wie sie ihren ganz eigenen Weg zurück ins Leben gefunden haben. Die zentrale Botschaft ist: Auch in scheinbar ausweglosen Situationen geht es weiter. Niemand muss Krisen alleine bewältigen, und oft entstehen aus Brüchen neue Perspektiven.
Frage MUTmacherinnen: Als Verantwortliche für das Eventmanagement vom Lifestyle Magazin DIE OBERÖSTERREICHERIN gestalten Sie Begegnungsräume für Frauen, Wirtschaft und Gesellschaft. Welche Rolle spielen diese Events für Sichtbarkeit, Vernetzung und neue Impulse?
Für mich sind diese Formate lebendige Treffpunkte, an denen Austausch, Inspiration und Verbindung ganz natürlich entstehen. Es erfüllt mich, zu erleben, wie daraus oft echte Synergien wachsen. Gleichzeitig spiegeln sie jene Strömungen und Fragestellungen wider, die unsere Gesellschaft aktuell beschäftigen. Events bedeuten für mich, Erlebnisse zu schaffen, die verbinden und in Erinnerung bleiben. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen und Themen spürbar zu machen.
Frage MUTmacherinnen: Wer sind Ihre persönlichen Mutmacher:innen?
Ganz klar meine Mutter, sie ist eine unglaublich starke und positive Frau und hat mich sehr geprägt. Inspirierend finde ich auch Menschen, die Verantwortung übernehmen, für ihre Werte einstehen und Rückgrat zeigen, selbst wenn es unbequem wird. Besonders viel lerne ich aber auch von meinen beiden Töchtern. Sie geben mir immer ehrliches Feedback und zeigen mir, wie ihre Generation denkt und fühlt. Der Austausch zwischen den Generationen ist für mich immer wertvoll. Und selbstverständlich meine Vorstandskolleginnen, jede einzelne für sich ist eine echte Mutikone (lacht).
Frage MUTmacherinnen: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen mit?
Immer wieder innehalten und ehrlich hinschauen: Passt das Leben, das ich gerade führe, wirklich zu mir? Wenn nicht, gibt es immer Optionen, etwas zu verändern. Wichtig ist, mutig den eigenen Weg zu gehen, neugierig zu bleiben und Chancen zu nutzen. Noch nie war es so einfach, sich weiterzubilden, Neues auszuprobieren oder Erfahrungen zu sammeln. Man muss mit 20 nicht alles wissen; Offenheit, Disziplin, Humor und Mut tragen einen meiner Meinung nach langfristig am weitesten.
Frau Hufnagl, herzlichen Dank für das Gespräch.
10.01.2026/HE
Kurz & persönlich
Lebensmotto: Mein sieht nur mit dem Herzen gut (Antoine de Saint-Exupéry) & Geht nicht, gibt’s nicht
Ausgleich: Reisen, Kultur, Sport, Garten
Lieblingsgerichte: Fisch, Schweinsbraten & alles Gegrillte
Wenn ich einen Tag Gesundheitsministerin wäre: … würde ich als Erstes die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung des Pflegepersonals spürbar verbessern. Pflege ist eine tragende Säule unseres Gesundheitssystems und verdient deutlich mehr Anerkennung und Wertschätzung. Ebenso wichtig ist der gezielte Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung, der den aktuellen gesellschaftlichen und psychosozialen Herausforderungen angepasst sein muss, um Menschen rechtzeitig und niederschwellig zu unterstützen. Gleichzeitig würde ich das System ganzheitlich analysieren lassen, um es zukunftsfit zu machen. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft braucht es einen klaren Fokus auf Prävention und frühzeitige Intervention.