DR. MONIKA SOMMER

Direktorin

Sie liebt ihre Familie, das Wandern, das Lesen und ihren Platz des Schaffens: Im Haus der Geschichte Österreich ist die studierte Historikerin und gebürtige Oberösterreicherin als Leiterin im Jahr 2018 angetreten, um den Menschen im Land Wissen näherzubringen. Als emanzipierte Frau und profunde Kennerin der Geschichte sind ihr in ihrer musealen Tätigkeit besonders durchmischte Teams wichtig. Gleichstellung lebt und fordert sie.

Interview

Frau Sommer, Sie waren als gebürtige Linzerin bis zu Ihrem 18. Lebensjahr in Oberösterreich beheimatet und schon früh mit musealer Arbeit vertraut, wie kam es?

Ich habe schon als junge Frau bei Landesausstellungen mitgearbeitet. Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt. Als Studentin konnte ich dort Führungen machen. Sehr früh habe ich mir die Frage gestellt: Wie kann man eine Ausstellung so gestalten, dass sie auch interessant ist? Ich erinnere mich an eine Ausstellung über die Wehrmacht, wo Menschen dabei waren, die das erlebt haben. Das hat mich sehr geprägt und mir gezeigt, was ein Museum zu schaffen vermag.

Nämlich das Wissen aus der Geschichte, die uns etwas lehrt.Das hat mich seither nicht mehr losgelassen. In meiner Doktorarbeit habe ich mich der Frage gewidmet, warum es während der Habsburger-Monarchie nicht gelungen ist, ein zeitgeschichtliches Museum zu schaffen. Als dann in den 90er Jahren der Ruf nach einem Haus der Geschichte immer lauter wurde, hat mich das gefreut und noch mehr freut mich, dass ich die Gründungsdirektorin dieses Zeitgeschichte-Museums zu geworden bin.

 

Die Rede ist vom Haus der Geschichte Österreich, das in Wien beheimatet ist.

Ja, ein sehr modernes Museum. Denn eines, das im 21. Jahrhundert gegründet wird musste sich meiner Meinung nach ganz anders verhalten, ganz anders strukturiert sein als die großen nationalen Museen, die im 19. Jahrhundert als Teil von Monarchien gegründet wurden. Wir sind ein Museum in einer demokratischen Republik. Und damit müssen wir nicht nur real, sondern auch im Netz existieren. Also gibt es auch digitale Schnittstellen über die man als Einzelner und Einzelne auch zum Teil der österreichischen Geschichte werden kann.

 

Wie haben Sie Ihre Rolle als Frau in der Wissenschaft, in der Geschichte und in der Behandlung historischer Themen erlebt?

Im Studium waren sehr viele Frauen, da habe ich keine Form von Diskriminierung erlebt. Geschlechtergeschichte wurde darin ein wichtiges Thema und eigentlich ein eigenes akademisches Forschungsfeld innerhalb der Zeitgeschichte. Ich war immer dankbar für tolle weibliche Vorbilder. Anfang der 2000er Jahre sind auch immer mehr Frauen in öffentliche Führungspositionen gekommen und dieser Weg muss konsequent weitergegangen werden. Deshalb bin ich auch eine Verfechterin der Quote. Sonst geht zu weniger weiter. In vielen Kreisen ist ein Backlash erlebbar, junge Frauen, die sich im Hafen der Ehe ein einziges Lebensmodell sehen. Da muss viel Aufklärung betrieben werden.

 

Wie wurden Sie bisher als Frau in Führungsposition wahrgenommen und wie gestalten Sie diese Rolle?

Das Haus der Geschichte ist ein Teil der österreichischen Nationalbibliothek, diese wird seit vielen Jahren von Generaldirektorin Johanna Rachinger (Anmerkung: Auch eine Mutmacherin) geleitet. Sie geht einen konsequenten Frauenförderungsweg. Und ich spüre auch in meinem Team komplette Unterstützung.

Die Zeiten sind halt auch vorbei, in denen eine Frau in der Führung nicht akzeptiert wird. Mein Führungsstil ist von guten Argumenten geleitet und ich bin immer verhandlungsbereit.Wenn es eine sachliche Argumentation gibt, muss man Entscheidungen eben noch einmal überdenken. Der Mensch ist ständig im Lernen. Es zählt die Sache und niemals eine Partout-Haltung.

 

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie als Lebensmodell zu vereinen und wie koordinieren Sie diese Faktoren Ihres Lebens?

Das ist kein Thema, das eine Frau alleine betrifft. Das ist ein Thema für eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Und ich habe einen Mann, der das auch so sieht und eine wunderbare Schwiegermutter, die selbst Unterstützung erfahren hat und deshalb diese Unterstützung auch weitergibt. Aber die ganze Familie muss zusammenarbeiten, zusammenhelfen und die Kinder sind sehr selbstständig erzogen.
Das müssen sie auch auf eine Weise sein. Vier Kinder bedürfen einer guten Koordination und einer Unterstützung. Man darf nur nicht davon ausgehen, das als Frau alleine schaffen zu müssen.

 

Was macht in Ihrem Beruf Ihren Antrieb und Ihre Motivation aus?

Mein Antrieb ist die Überzeugung, dass Wissen über die Vergangenheit sowie historische und politische Entwicklungen einen großen Beitrag zum Verständnis und Wissen über unsere Zeit führen. Bildung leistet einen großen Beitrag, aus Menschen überzeugte Demokratinnen und Demokraten zu machen. So sehr uns die Demokratie auch manchmal ärgert oder Energie kostet: Sie ist immer noch die beste Form des Zusammenlebens, davon bin ich zutiefst überzeugt. Und das möchte ich aus dem Wissen der österreichischen Zeitgeschichte heraus auch weitergeben.

 

Was haben Sie für sich als Ziele festgemacht?

Mein großes Vorhaben ist es nicht in entweder/oder zu denken, sondern mehr in „und“. Gerade in Zeiten, wo es politischen Parteien schwerfällt, einen Konsens zu finden, will ich Räume öffnen, wo konstruktives, parteifreies Kommunizieren und Diskutieren möglich sein soll.

 

Wer hat Ihnen auf ihrem Weg Mut gemacht, ihn zu gehen?

Das sind zum einen meine Eltern, die mir eine starke Haltung vermittelt haben und immer zur Seite gestanden sind. Dieser Rückhalt erlaubt auch, Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Im Beruf: Da war es mein Doktorvater Moritz Csaky und viele Kolleginnen und Kollegen.

Wir sind aber auch seit 20 Jahren ein Frauen-Kollektiv an der Universität für angewandte Kunst, das zu siebent eine Ausbildung für Kuratorinnen und Kuratoren leitet. Das ist sehr ungewöhnlich, dass eine Frauengruppe sich Führung teilt. Wir leben das und schaffen das sehr gut. Und ich bin ein Teil dieses zweijährigen Lehrgangs, in dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, wie man eine Ausstellung kuratiert.

 

Wem machen Sie Mut?

Ich hoffe, dass ich jungen Frauen – und auch Männern – Mut mache, dass Familie und Beruf auch für beide Partner wichtig sind.  Das ist eine grundsätzliche Haltung, auch als Führungskraft. Es sollen sich immer alle gut entwickeln können und in ihrer Arbeit weiterkommen. Dabei muss man unterstützen und Mut machen.

 

Monika Sommer ist seit Februar 2017 Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich. Sie studierte Geschichte und gewählte Fächer an den Universitäten Graz und Wien. 1999-2003 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2002/03 Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften, bevor sie von 2003-2008 als Assistentin des damaligen Direktors Wolfgang Kos federführend an der Neupositionierung des Wien Museum beteiligt war, an dem sie von 2009-2013 als Kuratorin wirkte. 2009 verantwortete sie im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt Linz gemeinsam mit Heidemarie Uhl und Dagmar Höss das Projekt “Insitu. Zeitgeschichte findet Stadt”.


2014-2016 war sie Leiterin des Kulturprogramms des Europäischen Forums Alpbach. Gleichzeitig war sie (ua. mit Beatrice Jaschke) als Kuratorin und Beraterin mehrerer österreichischer Museen tätig. Zudem ist sie seit 2006 Co-Leiterin des /ecm-Lehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien. Monika Sommer ist Vorstandsmitglied von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis und Finanzreferentin des Österreichischen Museumsbundes sowie Mitglied der Militärhistorischen Denkmalkommission des Bundesministeriums für Landesverteidigung. 2020 erhielt das Haus der Geschichte Österreich den Kenneth-Hudson-Award des European Museum Forum. 2021 erhielt sie von der Stadt Wien den Preis für Volksbildung.

Name
Dr. Monika Sommer
Familie
Verheiratet, vier Kinder
Lieblingsort
Lebensmotto
„Das Schönste unter der Sonne, ist es, unter der Sonne zu sein“ – Ingeborg Bachmann – und „Every day is a new day“ Andy Warhol
Mein Ausgleich
Familie, Wandern, Lesen
Ich in drei Worten
Familie, Wandern, Lesen
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
würde ich sofort die Gehälter der Kindergartenpädagoginnen und in der Pflege anheben