DR. REGINA AICHINGER MSC

Stellvertretende Geschäftsführerin der FH OÖ, Herausgeberin, Gutachterin und Gründerin des österreichischen Netzwerk für Hochschulforschung

Seit über 22 Jahren gestaltet sie das Erfolgsmodell Fachhochschule mit. Insbesondere die FH Oberösterreich kennt Dr.in Regina Aichinger, MSc wie ihre eigene Westentasche.
Bereits seit 1998 ist sie Teil des Teams – in vielen verschiedenen Aufgaben- und Funktionen. Ursprünglich war sie Assistentin der Geschäftsführung, heute ist sie selbst stellvertretende Geschäftsführerin und international tätige Hochschulforscherin.
Deshalb engagiert sich Regina Aichinger als Herausgeberin von Büchern, Gutachterin und begründete das österreichische Netzwerk für Hochschulforschung (www.hofo.at) mit.

Ihre Hochschulstudien  schloss die leidenschaftliche Wissenschaftlerin zu 100 % berufsbegleitend ab.  Neben ihrer Tätigkeit im Hochschulbereich und in der Forschung widmet sie ihre spärliche Freizeit der Familie.

Interview

Der Hochschulbetrieb musste zu Zeiten von Corona komplett umgestellt werden. Wie groß war diese Herausforderung?

Von einer Herausforderung würde ich in diesem Kontext gar nicht sprechen – es war buchstäblich eine Meisterleistung! Nämlich in erster Linie unserer IT, der haupt- und nebenberuflich Lehrenden, der Mitarbeitenden in Administration und Technik und natürlich all unserer Studierenden. Sie müssen sich vorstellen, wir erfuhren vom Lock-Down am Freitag, den 13.03 mittags.

Bereits am Montag, den 16.03 lief der gesamte Betrieb der Fachhochschule OÖ virtuell – über diverse Portale, Apps und sonstige Kommunikationskanäle „einfach“ weiter. Ich bin allen, wirklich allen Akteur*innen für deren Einsatz um dieses Gelingen im höchsten Maße dankbar!

 

Wie hat StudentInnen das Konzept der Online-Vorlesungen gefallen? Ein Modell für die Zukunft?

Als Fachhochschule stehen wir für persönlichen Austausch, das Arbeiten und Lernen in Kleingruppen, um möglichst intensiv interagieren zu können. Denn Lernen ist ein sozialer Prozess, der von Dialog geprägt ist. Dennoch haben wir uns auch im Zuge unserer Strategieentwicklung für 2030 intensiv mit Digitalisierung der Lebens-, Bildungs- und Arbeitswelt auseinandergesetzt und konkrete Maßnahmen in diese Richtung festgelegt.

Wir sind auf einem guten Weg, Digitalisierung als Transformationsgeschehen in unseren Leistungsbereichen einzusetzen, aber nicht als vollständigen Ersatz der erwähnten persönlichen Interaktion. Das ist nicht meine Philosophie und auch nicht jene der FH als Organisation.

 

Fachhochschulen sind im Vergleich zu Universitäten eine sehr junge Bildungsinstitution. Wie beurteilen Sie die bisherige Entwicklung der FHs in Österreich?

Die meisten der 21 österreichischen Fachhochschulen existieren nun schon seit 26 Jahren. Sie wurden eingeführt, um das hochschulische Bildungssystem mit einem anwendungsbezogenen Zugang zu bereichern bzw. zu erweitern.
Deutliche Stärken stellen die bildungsmäßige wie auch soziale Durchlässigkeit, die Sicherstellung der Employability (der Berufsfähigkeit und Einsetzbarkeit unmittelbar nach dem Abschluss) und die Transferkompetenz in Richtung Wirtschaft und Gesellschaft dar.

Der FH-Sektor ist mit etwas mehr als 55.000 Studierenden in Österreich im Vergleich zu den Universitäten (da sind es etwas mehr als 228.000 Studierende) noch immer sehr klein.
Die Nachfrage seitens der Berufsfelder in Wirtschaft, Industrie, Gesundheits- und Sozialbereich ist allerdings ungebrochen hoch. Man kann also die Entwicklung als sehr gelungen bezeichnen.

 

Zu Ihren Fachgebieten zählt Diversity Management. Frauen sind im oberen Management weitgehend unterrepräsentiert. Eine verlorene Chance für Unternehmen?

Ja, unbedingt ja! Das World Economic Forum  stellt in einem Bericht aus dem Juni 2020 zahlreiche quantifizierbare Argumente für eine diversitätsorientierte Unternehmensführung vor: Demzufolge werden Unternehmen, die die Mitarbeiter*innenstruktur nach Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsgesichtspunkten ausrichten, ihre Rentabilität mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 25 %-36 % übertreffen, die Innovationsrate bis zu 20 % sowie den Return on Innovation (RoI) um bis zu 15 % steigern können.

Sie werden eine um dreißig Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit ausweisen, Geschäftsrisiken zu identifizieren und zu reduzieren sowie in statistisch signifikanter Weise eine höhere Attraktivität als Arbeitgebereinrichtung sowie ein höheres Engagement der Mitarbeitenden erzielen. In Zeiten von Covid wohl mehr als gewichtige Argumente, Frauen in leitenden und führenden Positionen einzusetzen. Unter den Schlagworten „Womenomics“ oder aber auch „SHEconomy“ hat beispielsweise Japan seine Produktivität ab den 1990er Jahren deutlich gesteigert.

 

Sie selbst sind aktiv in der Forschung tätig. Was fasziniert Sie daran?

Forschen ist die Suche nach Erklärungen oder aber auch die Suche nach Neuem. Vieles von dem, was mich in meinem beruflichen Alltag in der Hochschulleitung herausfordert, kann ich einerseits durch das mittlerweile angeeignete Wissen, aber auch durch die Recherche nach theoriebasierten Erklärungen bzw. dem Messen an anderen good/best practices aus der Praxis besser verstehen und dann an konkreten Lösungen arbeiten.
Hochschulforschung verfolgt einen Entwicklungsansatz: immer den Blick nach vorne richten und dabei für die Zukunft gestalten – das macht einfach große Freude.

 

Was schätzen Sie persönlich an der Arbeit mit Studierenden?

Da ich in der Hochschul-Leitung bin, habe ich in meinem Alltag weniger unmittelbar mit Studierenden zu tun. Ich erlebe sie bei Veranstaltungen und in Arbeitsgruppen in der FH. In diesem Kontext schätze ich aber auch nach den Diversitätsgrundsätzen sehr, dass die Studierenden andere Perspektiven und Meinungen einbringen, dass sie besonders pragmatisch und konstruktiv sind.

FH-Studierende sind sehr zielorientiert und fokussiert in diesen Projekten. Vor allem die weiblichen FH-Studierenden erlebe ich hierbei als äußerst leistungsorientiert und dynamisch – das macht mich zuversichtlich, dass diese Generation an jungen Frauen sich auch im Berufsleben gut etablieren und durchsetzen wird.

 

Wenn Sie auf Ihren Werdegang zurückblicken – würden Sie irgendetwas anders machen?

Nicht einen Schritt würde ich anders machen! Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Leben so gefügt hat, wie es sich entwickelt hat. Teils durch meine Leistung und meine Zielstrebigkeit, immer wieder „mehr“ zu erreichen, andererseits hatte ich das große Glück, auf Menschen getroffen zu sein, die mich gefordert, aber auch gefördert haben. Ich kann mir persönlich auch überhaupt keinen schöneren Tätigkeits- und Wirkungsbereich als in der gestaltenden Rolle in der Hochschule vorstellen.

Wie bereits gesagt, es geht um die bewusste Auseinandersetzung mit dem Hier und Jetzt, aber insbesondere darum, für die Zukunft zu denken und zu gestalten – schon allein in Verantwortung unseren nächsten Generationen gegenüber.

Name
Dr. Regina Aichinger MSc
Familie
in einer LebensgemeinschaftLieblingsessen: alles außer Innereien
Lieblingsort
Lebensmotto
Carpe Diem
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
das wäre keine Option für mich. Gestalten kann man nur dann, wenn man auch Handlungsrahmen hat – es gibt im Bereich der Gleichstellung noch viel zu tun, aber das ist in einem Tag so nicht machbar.