MAG. INGRID BACHLER

Geistliche Oberkirchenrätin, Personalreferentin des Evangelischen Oberkirchenrates A.B. in Österreich, Vorstand des ÖRKÖ (Ökumenischer Rat der Kirchen) und im Rat der GEKE (Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen Europas

Ingrid Bachler gehört als geistliche Oberkirchenrätin dem evangelischen gesamtösterreichischen Leitungsgremium des Oberkirchenrats an und ist unter anderem zuständig für die Bereiche Personal und Ausbildung. Daneben ist sie auch im Vorstand des ÖRKÖ (Ökumenischer Rat der Kirchen) und im Rat der GEKE (Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen Europas).

Die  studierte evangelische Theologin ist begeisterte Literatur- und Geschichtsliebhaberin. Sie war zehn Jahre lange Pfarrerin in Wien, danach 12 Jahre Pfarrerin im oberösterreichischen Wels und Fachinspektorin für die höheren Schulen Oberösterreichs. Als ausgebildete Coachin und begeisternde Predigerin hat die gebürtige Steirerin sich österreichweit in der evangelischen Kirche und darüber hinaus einen Namen gemacht. „Ich möchte Voraussetzungen schaffen, damit die Pfarrerinnen und Pfarrer ihren wichtigen Aufgaben nachkommen können“, betont Bachler. Dabei sind ihr in dem kirchenleitenden Amt Werte wie Tiefe, Empathie und fröhliche Gelassenheit wichtige Begleiter. Antrieb war und ist ihr in ihrer Arbeit stets die Liebe zum Menschen.

Interview

Frau Oberkirchenrätin Bachler, wie wurden Sie in Ihrem vielfältigen beruflichen Werdegang als Frau wahrgenommen?

Als ich studiert habe, wurde ich schon von Studienkollegen gefragt: „Was machst du hier als Frau?“ Also es war sicher damals schwieriger, als Frau Theologie zu studieren. Man musste sich vielleicht mehr durchsetzen. Aber in den Pfarrgemeinden habe ich das nie erlebt, vielleicht eher das Gegenteil. Das habe ich in der Seelsorge überaus gut und schön erleben dürfen. Insgesamt war immer eine große Freude bei denMenschen spürbar, dass eine Frau ihnen begegnet. Wobei: Es kommt immer darauf an, wie man als Mensch ist.

 

Sie bekleiden in der evangelischen Kirche eines der höchsten Ämter, haben eine Führungsposition inne: Wie erleben Sie diese Rolle?

Meine Position hat vor mir auch schon eine Frau wahrgenommen. Insgesamt sind aber in der evangelischen Kirche noch immer zu wenige Frauen in Führungspositionen. In der evangelischen Kirche wird ganz demokratisch gewählt und nicht bestellt – ich sehe es auch als meine Aufgabe, mehr Frauen zu fördern.

 

Wie gestalten Sie Ihre Führungsrolle?

Kommunikativ und dialogisch, ich versuche andere Menschen miteinzubinden und durch das Gespräch herauszufiltern, was die beste Lösung ist. Als Chefin muss ich nicht alles besser wissen, sondern muss herausfinden können, wie die Meinungen und wo die Kompetenzen der anderen sind und dann eine Entscheidung treffen.

 

Wie würden Sie Ihre Rolle in Ihrem kirchlichen Netzwerk betrachten?

Das Miteinander fördernd. Ich habe immer zum Ziel, dass sich andere Menschen wertgeschätzt und angenommen fühlen. Nur so kann man arbeiten und erzielt bessere Ergebnisse.

 

Wie gelingt es Ihnen Beruf und Privatleben zu vereinen?

Das ist mir bisher immer gut gelungen, denn ich bin kein Mensch, der das alles so strikt trennt. Ich arbeite auch an einem Samstag oder Sonntag gerne, weil meine Arbeit auch beinhaltet, eine Predigt zu schreiben oder einen Text zu verfassen.  Dieses Verschmelzen der Bereiche hat auch der Beruf der Pfarrerin schon immer mit sich gebracht. Ich konnte zum Beispiel schon damals am Nachmittag eine Runde laufen gehen und habe danach noch eine Sitzung wahrgenommen.
Das ist Herausforderung und Privileg des Pfarrberufs zugleich: Man lebt sehr flexibel und das ist mir immer sehr entgegen gekommen.

 

 Was treibt Sie in Ihrem Beruf an?

Ich bin für die Ausbildung der Jungen zuständig, vom ersten Ausbildungstag bis zur Pensionierung. Und es ist immer eine Freude, zu sehen, wie viele tolle, engagierte, interessante, hoch gebildete Leute in unserem Berufsfeld arbeiten. Mich interessiert, was aus den Menschen einmal wird. Am ersten Tag sage ich ihnen immer: Sie sind die zukünftigen Bischöfe, Bischöfinnen, Superintendentinnen unserer Kirche, das ist mein Antrieb. Dass sie sich entwicklen und ihr Potential nutzen.

 

Wie würden Sie Außenstehenden Ihren Glauben erklären?

Der Glaube ist etwas sehr Wichtiges für mich. Er trägt mich durch das Leben in all seinen Facetten. Und zwei wertvolle Punkte begleiten mich im Glauben: Das Erste ist, mein Glaube sagt mir immer „Du musst nicht, du kannst – du bist auch wertvoll, wenn du etwas nicht schaffst“. Und das Zweite: Der Glaube bedeutet „dennoch“ – und symbolisiert die christliche Hoffnung.
Egal wie groß die menschliche Krise ist. Es gibt immer ein „dennoch“.

 

Was hat Ihnen in Ihrer bisherigen Laufbahn und in Ihrem Werden Mut gemacht?

Menschen, denen ich begegnet bin. Die Rückmeldungen nach einem Gottesdienst zum Beispiel. Wenn einem von Menschen in wenigen Worten und Sätzen Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht haben. Besonders dann, wenn ich dachte, dass meine Predigt heute nicht besonders war und innerlich an mir gezweifelt habe, dann haben sie mich ermutigt. Das ist ein Geschenk in meinem Beruf.

 

Wo sind Sie Mutmacherin?

Ich hoffe, dass ich vielen Menschen Mut gemacht habe. Ich habe ja viele Jahre evangelische Religion unterrichtet. Ich hoffe, dass ich vielen Jugendlichen Mut machen konnte, dass sie gut sind, so wie sie sind. Oder bei Begegnungen in den Krankenhäusern oder Altenheimen, wenn die Menschen  mir etwas frei erzählen konnten. Auch bei Sterbenden, wenn sie noch Dinge aussprechen konnten, die noch gesagt werden mussten.

Und in meiner jetzigen beruflichen Position mache ich hoffentlich den Jungen Mut, dass sie nicht glauben, aufgrund des Berufes ein spezifisches Lebensbild darum formen zu müssen. Sie sollen erkennen, dass der Beruf lebt. Kirche lebt dadurch, wie sie alle sind. Kirche sind wir alle.

 

Wenn Sie auf Ihre Laufbahn und ihr bisheriges Leben blicken, gibt es Ziele, die sie anstreben?

Ich lebe sehr im Hier und Jetzt. Ich plane nicht, wo ich in 10 Jahren bin. Die Theologin Dorothee Sölle hat einmal gesagt: „Das sind die glücklichsten Menschen, die im Hier und Jetzt leben. Das versuche ich auch. Und manchmal gelingt es, das ist dann ein Grund, Gott zu danken.

 

Ihr Glaube?

Mein Glaube sagt mir immer „Du musst nicht, du kannst – du bist auch wertvoll, wenn du etwas nicht schaffst“.

Name
Ingrid Bachler
Familie
Verheiratet
Lieblingsort
Kaffeehaus
Lebensmotto
Humor und Gelassenheit
Mein Ausgleich
Sehr viel Lesen und Natur genießen
Ich in drei Worten
Sehr viel Lesen und Natur genießen
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
Ich wäre lieber Finanzministerin, um die finanziellen Möglichkeiten der Frauen zu fördern und ihre Anliegen umzusetzen. Frauen haben viel zu wenig Zugriff zu Geld.