MAG. BARBARA DESL

CFO Greiner Packaging

Als CFO des international tätigen Konzerns Greiner Packaging ist sie für über 5.000 MitarbeiterInnen mitverantwortlich: Barbara Desl. Die studierte Betriebswirtin ist verheiratet und hat eine 8-jährige Tochter aus einer vorherigen Beziehung. Den täglichen Spagat zwischen Familien- und Berufsleben meistert Barbara Desl durch ihre Hingabe zu beiden Lebenswelten. Und durch gutes Zeitmanagement. Wer Mutter sein und Karriere machen will „darf sich nicht von diesem Weg abbringen lassen“.

Interview

Frauen schaffen es nach wie vor nur selten über das mittlere Management hinaus. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Das ist eine sehr spannende Frage!
In unserer Gesellschaft wird es noch immer als normal und zu 100 % erfüllend angesehen, wenn man sich als Frau in einer gewissen Lebensphase überwiegend um die Kinder kümmert. Das lässt sich sehr oft nicht mit einem Job im Top-Management vereinbaren, auch weil in den Unternehmen oft noch entsprechende Voraussetzungen fehlen – so sollte es heutzutage zum Beispiel möglich sein einen Job im Top Management für eine gewisse Zeit als Teilzeitbeschäftigung auszuführen.

Ich hatte das Glück, dass der Vater meiner Tochter bereit war – vier Monate nach ihrer Geburt in Karenz zu gehen. In den Köpfen vieler Männer gibt es diese Variante gar nicht. Erschwerend kommt auch hinzu, dass sich Frauen nach wie vor zu wenig gegenseitig unterstützen. Als ich vier Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder ins Unternehmen zurückkehrte, habe ich nicht nur Support erfahren. Das Wort „Rabenmutter“ fällt leider sehr schnell. Als Frau, insbesondere als Mutter, muss man einen Job im oberen Management zu 100 % wollen und darf sich nicht von diesem Weg abbringen lassen.

 

 Ihr Unternehmen ist in 19 Ländern weltweit tätig. Wie ist es, Ihrer Erfahrung nach, in anderen Ländern um die Karrierechancen von Frauen bestellt.

Da Greiner Packaging in vielen unterschiedlichen Ländern tätig ist, nehme ich das als sehr divers wahr.  Die Rahmenbedingungen bezüglich Karenzzeiten sind sehr unterschiedlich und es ist für die Karrierechancen der Frauen definitiv besser, wenn sie nicht zu lange aus dem Job raus sind. Zwei Jahre, wie teilweise in Österreich üblich, sind bestimmt nicht förderlich für das berufliche Vorankommen.  Manche Länder bieten diese Rahmen gar nicht. So kommen die Frauen schneller wieder in ihre Jobs zurück und können entsprechend auch schneller die nächsten Schritte gehen. Beispiele sind hier etwa die USA oder die Schweiz.

 

Sie selbst sind Mutter einer Tochter. Wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Was raten Sie Frauen mit denselben Ambitionen?

Ich rate jeder Frau, den Weg zu gehen, bei dem sie fühlt, dass es der richtige für sie ist. Nicht auf gut gemeinte Ratschläge vom Umfeld hören, wie es vielleicht am besten sein könnte oder was sich gehört. Es ist absolut legitim, dass ein Kind nicht alleine die allumfassende Erfüllung für jede Frau sein muss.

Außerdem habe ich über die Zeit gelernt, dass alles immer irgendwie geht. Grenzen setzen wir uns nur selbst. Die Frauen dürfen und müssen an sich selbst glauben und Frauen müssen sich besser vernetzen und unterstützen. Wir sollten uns sagen, was geht und uns nicht gegenseitig bremsen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Tochter (persönlich und stellvertretend für Mädchen der Generation z)?

Ich wünsche meiner Lilly, dass sie sie selbst bleiben darf und sich frei und ohne Leistungsdruck weiterentwickeln kann. Kinder kommen perfekt und unbeschwert auf die Welt. Sie gehen ihren Weg. Ich wünsche ihr außerdem, dass unsere Welt heil bleibt (sofern man das noch sagen kann)!

 

Was tut ihr Unternehmen um Frauen zu fördern?

Bewusst, strukturiert und international leider noch zu wenig. Aus meiner Sicht haben wir erst begonnen, das Mindset dahingehend zu entwickeln. Wir setzen vereinzelt und meist anlassbezogen Maßnahmen. Wir haben hier noch einen weiten Weg vor uns. Mit der Etablierung von Nachhaltigkeitszielen und damit einer Verankerung des Zieles der Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen von aktuell 25% auf 35% in 2025 wurde ein erster, sehr bedeutender Schritt gesetzt.

 

Ihr Unternehmen produziert Kunststoffverpackungen? Von einer Plastiksteuer bis zu einem generellen Verbot von Kunststoffverpackungen sind viele Ansätze zur Reduktion von Kunststoffabfall in Diskussion. Wie stellt sich Ihr Unternehmen diesen Herausforderungen?

Wir setzen uns sehr stark mit diesen Themen auseinander. Und zwar faktenbasiert. Dabei ist uns ein enger Kontakt und reger Austausch mit unseren Kunden und unseren Lieferanten wichtig. Wir sind der Überzeugung, dass kein Unternehmen im Alleingang diese großen Fragestellungen lösen kann. Es braucht gemeinsame Ansätze, über die gesamte Lieferkette hinweg und die richtigen politischen Rahmenbedingungen.

 

Abseits Ihres Berufs – was macht Sie glücklich?

Meine Familie und meine Freunde, Sport und Stille in der Natur.

Name
Mag. Barbara Desl
Familie
verheiratet
Lieblingsort
Lebensmotto
Lebe im Moment!
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
würde ich unmittelbar über Kinderbetreuungsmöglichkeiten & Karenzmodelle reden wollen. Wir befinden uns hier im internationalen Vergleich in der Steinzeit.