MAG. ANDREA ROCKENBAUER

Juristin, Präsidentin des Soroptimist Club Traunsee

Vielseitigkeit – kein anderes Wort beschreibt Mag. Andrea Rockenbauer so treffend. Von 1981 bis 2020 war sie in der Energie AG tätig. Von Personal, über Risikomanagement und Konzernrevision – die studierte Juristin übernahm Verantwortung in ganz unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens. Ihr Engagement machte aber nicht bei der Ausübung ihres Jobs halt.
Mag. Rockenbauer war Vortragende an der JKU in Linz, ist Pfarrgemeinderatsobfrau in Gmunden und Präsidentin des Soroptimist Club Traunsee. Die Kraft für ihr vielfältiges Engagement nimmt die Mutter eines Sohnes aus ihrer Familie, ihrem Glauben und engen Freundschaften.

Interview

Von 2006 bis 2012 haben Sie den Bereich Risikomanagement in der Energie AG verantwortet. Inwieweit ist es Unternehmen möglich Risikofaktoren einzukalkulieren. Gibt es auch unvorhersehbare Ereignisse, denken wir etwa an Covid-19?

Alle Entscheidungen in unserem Leben werden in Ungewissheit getroffen und sind eine Abwägung zwischen den möglichen Chancen und den damit verbundenen Risiken. Somit ist das auch Grundlage für alle Unternehmensentscheidungen. Viele Faktoren sind gut kalkulierbar, weil es die Abschätzung der Bandbreite in einer Zeitperiode ist, nehmen wir z.B. die Entwicklung von Zinsen. Aber es gibt auch die sogenannten „Schwarzen Schwäne“ wie 9/11. An derartige Ereignisse hat niemand gedacht bevor sie eingetreten sind.

Covid-19 ist anders, denn eine Epidemie, Pandemie oder ein Blackout sind Szenarien, die schon einmal vorgekommen sind und da heißt es auch Vorkehrungen im Sinn eines Business Continuity oder Krisenmanagements zu haben, gerade im Bereich der sogenannten systemrelevanten Unternehmen. Sobald es aber derartige Vorkehrungen gibt, kann und muss man sie auch bewerten. Allerdings ist es nicht so einfach, denn die „Hochrechnung“ der Vergangenheit kann höchstens als Anhaltspunkt genommen werden. Man muss mögliche Entwicklungen antizipieren und dann bewerten.

 

Manche Menschen gehen Risiken lieber aus dem Weg. Wie beurteilen Sie persönlich Risiken? Steckt in ihnen auch eine Chance?

Ich bin, wahrscheinlich auch berufsbedingt, eine sehr analytisch denkende Frau und bemühe mich daher die Herausforderungen, die das Leben an mich stellt, möglichst lösungsorientiert zu betrachten – denn „wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen“. Sich fürchten oder jammern hilft nicht und die Vergangenheit lässt sich auch nicht ändern.
Daher ist für mich der einzig sinnvolle Weg, sich auf die Chancen zu konzentrieren und in der Gegenwart das Mögliche dazu zutun, dass sich die Dinge wunschgemäß entwickeln.

 

Wenn Sie an Ihr berufliches Leben zurückdenken – worauf sind Sie am meisten stolz?

Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn sehr unterschiedliche Aufgaben übertragen bekommen, die mit meiner ursprünglichen Ausbildung nicht immer etwas zu tun hatten, oder eben auch für das Unternehmen etwas weitgehend Neues waren. Das ist mir sehr entgegengekommen, denn ich liebe es Dinge (mit)gestalten zu können.

Nachdem dafür aber auch Überzeugungskraft notwendig war und ich die Qualität einer Lösung vor allem auch daran messe, dass die Umsetzung in einem konstruktiven und harmonischen Miteinander erfolgt, war es mir immer wichtig die Akzeptanz der KollegInnen und MitarbeiterInnen zu haben. Hier einen Beitrag zu einem Betriebsklima geschaffen zu haben, das die Etablierung von innovativen Prozessen unterstützt, ist mir retrospektiv betrachtet besonders wichtig

 

Und privat?

Ich habe mit 22 geheiratet und hatte das Glück mit meinem Mann eine Partnerschaft leben zu können, in der jeder dem Anderen Entfaltungsmöglichkeiten und Unterstützung gegeben hat. Gemeinsam haben wir unsere Eltern betreuen können und unser Sohn war das größte Geschenk. Dieses harmonische Familienleben ist eine enorme Kraftquelle, die sich auch in schwierigen Zeiten bewährt hat.

Mein privates „Netzwerk“ aus verlässlichen FreundInnen, soroptimistischen Schwestern und meiner Pfarrgemeinde ist mir auch besonders wichtig. Es bereichert und gibt dem Leben Sinn. Gemeinsam bewegt man mehr und der Spruch „geteilte Freude ist doppelte Freude“ bewahrheitet sich immer wieder.

Sie können auf eine bewundernswerte Karriere zurückblicken. Hatten Sie jemals das Gefühl, Sie hatten es schwerer, weil Sie eine Frau sind? Oder auch leichter?

Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit war. Ich glaube daher habe ich das auch immer vorausgesetzt. Natürlich gab und gibt es gerade in stark technikorientierten Unternehmen durchaus Situationen, in denen man schon „seine Frau stehen muss“ um respektiert zu werden. Ich war viele Jahre die einzige Akademikerin und auch die einzige Frau in der Führungsriege. Ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, bringt Vor- und Nachteile. Ich habe es immer als wichtig erlebt, sich seiner Stärken bewusst und authentisch zu sein. Kooperationsbereitschaft, aber auch das konsequente Vertreten der eigenen Standpunkte sind notwendige Voraussetzungen um auf Augenhöhe akzeptiert zu werden.

 

Sind Sie der Meinung, Frauen müssen mehr Kompromisse eingehen als Männer, wenn sie sich für eine Top-Karriere entscheiden?

Nein, egal ob Mann oder Frau, man muss immer für sich selbst entscheiden, welche Prioritäten man setzt. Wenn man Familie und Beruf in Einklang bringen will, muss man zeitweise Kompromisse schließen. In unserer Gesellschaft wird Familie oft als Frauenthema betrachtet, aber ich glaube, es ist schon ein Wandel erkennbar, dass hier partnerschaftliche Lösungen gefunden werden müssen.

Auch die Männer erkennen immer mehr, dass z.B. Zeit mit den Kindern ein wertvoller Teil des Lebens ist, den sie nicht missen möchten. Für Frauen ist es wichtig darauf zu achten, dass sie ihr Leben auch selbständig gestalten können. Eine gute Ausbildung und auch eine konsequente Weiterbildung sind da gefordert.

 

Sie sind Präsidentin des Soroptimist Club Traunsee. Was ist Ihre persönliche Motivation dahinter? Warum ist Ihnen gesellschaftliches Engagement wichtig?

Ich möchte das Gefühl haben, dass mein Leben einen Sinn hat und dass ich meine Talente und Fähigkeiten nicht nur dazu benutze, dass es mir gut geht. Die Freude am gemeinsamen Entwickeln und Umsetzen von Ideen ist sehr erfüllend. Außerdem mag ich „muss man“ nicht wirklich. Immer zu „wissen“ was zu tun wäre, aber es selber nicht machen wollen, ist keine gute Option, also bringe ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten ein.

 

Wonach wählen Sie die Projekte aus, die ihr Club unterstützen möchte?

Soroptimismus hat das Ziel Frauen und Mädchen zu fördern und zu unterstützen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Daher sind mir nachhaltige Projekte wichtig. Derzeit haben wir zwei in Planung. Einerseits die Etablierung eines Gewaltpräventionsprogramms in Kindergärten und andererseits „Photovoltaik für Mädchen“ bei dem wir ein Photovoltaikladegerät für Handys und Tablets mit den Mädchen bauen werden.
Dadurch sollen sie Spaß an der Technik erleben und praktische Fähigkeiten erlernen. Ein Teil der Ladegeräte wird dann auch in einem Sozialprojekt in Afrika eingesetzt werden.

 

Von 2013 bis zu Ihrer Pensionierung Anfang 2020 waren Sie Leiterin der Konzernrevision in der Energie AG. Was hat Sie an dieser Position besonders gereizt?

Revision war früher vorwiegend die Prüfung der Vergangenheit. Heute steht vor allem die Effizienz- und Effektivitätssteigerung im Vordergrund. Nicht umsonst steckt „Vision“ drinnen. Aus der Prüfung und Analyse von Prozessen wird für die Unternehmensleitung Sicherheit geschaffen, dass hier korrekt, gesetzeskonform und ergebnisfokussiert gearbeitet wurde.

Aber die Außensicht ermöglicht es auch „blinde Flecken“ in der Organisation zu erkennen und Optimierungspotentiale aufzuzeigen. Man muss/darf sich also ständig mit neuen Themen befassen. Aber auch kommunikative Fähigkeiten sind gefragt um die Geprüften für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zu gewinnen. Nur so erreicht man schnellstmöglich Erfolge. Es ist immer neu und interessant. Für Routine ist hier kein Platz, sondern man arbeitet ständig an der Weiterentwicklung des Unternehmens mit.

Name
Mag. Andrea Rockenbauer
Familie
verwitwet
Lieblingsort
Lebensmotto
„Jetzt ist meine Zeit“
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
würde ich die Männer mit ins Boot holen, denn nur wer im Gleichklang rudert, kann die Richtung bestimmen