MAG. MARGIT LINDORFER

Geschäftsführerin vom Verein ALOM - Verein für Arbeit und Lernen Oberes Mühlviertel, Soziologin und Landwirtin

Sie schenkt Mut auf dem Weg zu neuen Aufgaben. Seit 1996 setzt sich die studierte Soziologin, Mag.a Margit Lindorfer, bei „ALOM – Verein für Arbeit und Lernen Oberes Mühlviertel“ für Menschen ein, die sich beruflich verändern oder weiterentwickeln wollen. Viele Angebote des Vereins, etwa das FrauenTrainingsZentrum, fokussieren dabei speziell darauf, die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. 2016 wurde die Mühlviertlerin in die Geschäftsführung von ALOM berufen und ist damit für 48 Mitarbeiter/innen mitverantwortlich.
Neben ihrer Arbeit betreibt die 2-fache Mutter, gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Mutter, eine kleine Landwirtschaft.

Interview

 Als Geschäftsführerin des Vereins ALOM helfen Sie und Ihre Kolleg/innen (unter anderem) Frauen dabei, ihre beruflichen Chancen zu verbessern. Wie sieht die Unterstützung genau aus?

„ALOM – Verein für Arbeit und Lernen Oberes Mühlviertel“ bietet in der Region spannende und mutmachende Angebote, unter anderem speziell für Frauen und hält so das  Thema Bildung, Frau & Arbeit kontinuierlich präsent.
Frauen können bei uns individuelle Beratungen in Anspruch nehmen, in denen wir die Vorstellungen der Kundinnen hinsichtlich ihres künftigen Berufsweges herausarbeiten, durch fachliche Informationen unterstützen und gegebenenfalls auch Alternativen aufzeigen, damit die Kundinnen eine möglichst breite Perspektive auf ihre Möglichkeiten gewinnen. Abseits dieser Beratungsfunktion schätzen unsere Kundinnen auch das offene Ohr unserer Beraterinnen sehr – Arbeitssuche, Umorientierung und ähnliches sind schließlich nicht immer einfach.

Neben der individuellen Beratung bieten wir aber auch viele Workshops für Frauen an – etwa zur Verfeinerung digitaler Kenntnisse. Auch hier vermitteln wir, wie auch in unseren Einzelberatungen, nicht nur hard facts. Workshop-Teilnehmerinnen profitieren gleichermaßen von der Vernetzung mit anderen Frauen. Etwa das Erkennen, dass Umbruchssituationen besonders in Frauenleben eine zentrale Rolle spielen und der Austausch mit Gleichgesinnten, gibt vielen Frauen Kraft.

 

ALOM fokussiert unter anderem darauf, Mädchen und Frauen für technische Berufe zu begeistern. Warum ist das so wichtig? Und warum sind, ihrer Erfahrung nach, Frauen in diesem Bereich unterrepräsentiert?

Die Unterrepräsentanz von Frauen in technischen Berufen hat mehrere Ursachen: traditionelle Zuschreibungen und Rollenmuster, Erwartungen der Bezugspersonen, aber auch einfach fehlende Informationen. Viele unserer täglichen Entscheidungen basieren auf bloßen Annahmen und verinnerlichten Stereotypen. Um das aufzubrechen ist das Gespräch über Rollenmodelle wichtig.
Aber auch authentische Einblicke und persönliche Kontaktmöglichkeiten mit Frauen und Männern in sogenannten „Männerberufen“ helfen und eröffnen manchen Frauen ganz neue Welten.

Eine technische Berufslaufbahn bedeutet sichere Anstellungschancen und gute Verdienstmöglichkeiten.  Für die Wirtschaft und für den Zusammenhalt der Gesellschaft finde ich es von großer Bedeutung, dass der Aufteilung in „typische“ Frauen- und Männerberufe entgegengewirkt wird.
Ein Unternehmen profitiert von der Unterschiedlichkeit in der Belegschaft! Nur dann werden differenzierte Sichtweisen eingebracht. Und die Gesellschaft profitiert, wenn Menschen einen Beruf wählen, der den Interessen und der Eignung entspricht, abseits von Rollenzuschreibungen.

 

Es wird gesagt, die Corona-Krise habe klassische Rollenbilder wieder beflügelt. Wie nehmen Sie das wahr?

Die Corona-Krise hat offengelegt, was (noch immer) da ist. Familien- und Erwerbsarbeit sind ungleich verteilt! Weil Frauen einen Großteil der Familienarbeit leisten, trifft sie ein Lock-Down der Schulen und Betreuungseinrichtungen besonders hart.  Viele Mütter wollen und müssen darauf achten, dass ihre Kinder weiterhin Lernerfolge erzielen und dass der Nachwuchs im Teenageralter seine wichtigen sozialen Beziehungen aufrechterhält und sich nicht im Internet verliert.

Das bedeutet mitunter einen hohen Kraftaufwand, umso mehr, da ja Erwerbsarbeit und sonstige Familienarbeit bestehen bleiben.  Ich nehme Zeitdruck, Nervosität und Zukunftsangst wahr. Und ich sehe, dass finanzielle Engpässe die Situation verschlimmern. Wird die Belastung einfach zu viel und kommt ein Gefühl des Alleingelassen-Seins dazu, können Frauen in manifeste Krisen schlittern.
Vorhandene Benachteiligungen kumulieren sich: Alleinerzieherinnen, Frauen im Lebensmittelhandel, in der Gesundheitsbranche, in finanziell ungesicherten Verhältnissen, Mütter kinderreicher Familien, Frauen, die jemanden pflegen und etwa chronisch Kranke sind besonders betroffen. Es ist leider zu sehen: Die Pandemie schwächt die Schwächeren in der Gesellschaft!

 

Wie häufig passiert es ihrer Beobachtung nach, dass Menschen sich im Laufe ihres Lebens komplett beruflich umorientieren? Und warum?

Ein Berufsleben lang den gleichen Job? Was früher häufig vorkam, ist heute die Ausnahme. Im Durchschnitt dauert ein Beschäftigungsverhältnis heute zwei Jahre.
Es gibt viele Ursachen für eine Neuorientierung: Die Tätigkeit passt nicht zur persönlichen Eignung, in jungen Jahren war die Erlangung des Wunschberufes nicht durchführbar, die gesundheitliche Situation verunmöglicht die weitere Ausübung des früheren Berufes, die vorhandene Qualifikation ist nicht mehr nachgefragt … Je älter, umso zögerlicher fällt die Entscheidung für eine komplette Umorientierung aus.
Oft wird ein Jobverlust als Anstoß für eine Umorientierung genommen.  Für eine Ausbildung braucht es finanzielle Ressourcen oder öffentliche Zuschüsse. Perfekt ist es, wenn die Umorientierung an vorhandene Erfahrungen anknüpfen kann.

Es gibt in OÖ für bestimmte Gruppen öffentliche Förderungen, die es möglich machen, mit finanzieller Absicherung einen Berufsabschluss nachzuholen. Ähnlich wie bei einer Lehre sind die Auszubildenden dabei fest in ein Unternehmen eingebunden. Wir begleiten in Rohrbach derzeit an die 50 Personen, die auf diese Weise einen Berufsabschluss erlangen – der Großteil davon im Sozial- und Pflegebereich.

 

Abseits Ihrer Arbeit, worin finden Sie Erfüllung?

Erfüllung finde ich, indem ich Zeit mit meiner Familie verbringe. In bereichernden Unternehmungen mit Freundinnen, im Ehrenamt, bei der Arbeit und bei der Bewegung in der Natur und beim Kreativ-Sein. Erfüllend ist es auch, wenn Projekte gelingen und wenn ich in der Arbeit erbauende Rückmeldungen von unseren Kundinnen bekomme!

Name
Mag. Margit Lindorfer
Familie
verheitatet, zwei Kinder
Lieblingsort
Lebensmotto
Wir sind Gast auf Erden
Mein Ausgleich
Ich in drei Worten
Wenn ich einen Tag Frauenministerin wäre
Frauen erleben auf der ganzen Welt Benachteiligungen: sie stehen häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnisse als Männer, sie haben ein geringeres Einkommen und damit verbunden eine niedrigere Pension, in Spitzenpositionen sind sie weniger vertreten, sie erfahren mehr (häusliche) Gewalt, in vielen Ländern werden sie ausgebeutet … Als Frauenministerin würde ich mich gemeinsam mit Volkswirtschafterinnen, erfahrenen Politikerinnen und mit anderen gescheiten Frauen und Männern dafür stark machen, dass multinationale Konzerne und IT-Riesen eine Mindeststeuer bezahlen, damit ihre unvorstellbar großen Gewinne nicht länger in Steuerparadiese verschoben werden können. Die Einnahmen sollen allen voran Bildungsprojekten für Kinder und Frauen in der ganzen Welt zugutekommen.